Daumensattelgelenkarthrose
Rhizarthrose
Überblick
Behandlungsart
konservativ, minimal-invasiv, operativ
Dauer
ca. 45-90 min.
Ruhigstellung
3-6 Wochen (je nach Vefahren)
Arbeitsfähigkeit
nach 6–10 Wochen (stark tätigkeitsabhängig)
Sport / Belastung
nach ca. 6–12 Wochen, teilw. nach 2–3 Monaten.
Heilungsdauer
mehrere Wochen bis Monate
Prognose
gut behandelbar
Behandlung im Überblick
Die Rhizarthrose ist ein Verschleiß des Daumensattelgelenks und verursacht Schmerzen an der Daumenbasis, besonders beim Greifen, Drehen und Öffnen. Je nach Stadium wird zunächst konservativ behandelt – etwa mit Schiene, Ergotherapie, Medikamenten oder Injektionen. Bei fortgeschrittenem Verschleiß kann eine Operation sinnvoll sein. Ziel ist eine deutliche Schmerzlinderung, bessere Beweglichkeit und eine stabilere Greiffunktion. Die Nachbehandlung erfolgt meist mit Schiene und Ergotherapie; die vollständige Erholung kann mehrere Monate dauern.
Ausführliche Beschreibung
Definition
Die Daumensattelgelenkarthrose, auch Rhizarthrose genannt, ist eine degenerative Erkrankung des Daumensattelgelenks. Dieses Gelenk befindet sich zwischen dem ersten Mittelhandknochen (Os metacarpale I) und dem großen Vieleckbein (Os trapezium). Das Gelenk ermöglicht die hohe Beweglichkeit des Daumens, insbesondere die Opposition, Abduktion und Flexion. Durch die besondere Belastung des Daumens, welcher sich als einziger Fingerstrahl den anderen Fingern gegenüberstellen kann, kommt es im Laufe des Lebens oft zum Verschleiss des Daumensattelgelenkes.
Überblick
Die Rhizarthrose zählt zu den häufigsten Arthrosen der Hand. Besonders sind Frauen nach der Menopause betroffen. Hormonelle Einflüsse sowie eine höhere Bandlaxität werden als prädisponierende Faktoren eingestuft. Weitere Risikofaktoren sind genetische Prädisposition, wiederholte mechanische Belastung (z. B. bei handwerklichen Tätigkeiten) sowie frühere Verletzungen im Bereich des Daumensattelgelenks.
Pathophysiologisch führt der Knorpelabbau zu einer zunehmenden Gelenkinstabilität oder Subluxation. In der Folge entstehen knöcherne Anbauten (Osteophyten), Gelenkspaltverschmälerung und Fehlstellungen. Das Gelenk verliert seine Funktion als präzises Bewegungszentrum des Daumens, was sich erheblich auf die Greiffunktion der ganzen Hand auswirkt. Der Daumen ist nicht nur ein weiterer Finger und wird aufgrund seiner grossen funktionellen Bedeutung in der englischen Literatur auch als «die eine Hälfte» der Hand bezeichnet.
Symptome
Typisch für die Rhizarthrose sind belastungsabhängige Schmerzen im Bereich des Daumenballens/der Daumenbasis. Diese treten zunächst bei Greifbewegungen, beispielsweise beim Öffnen von Flaschen oder Drehen eines Schlüssels und beim Präzisionsgriff auf. Im weiteren Verlauf können auch Ruheschmerzen entstehen und das Abspreizen des Daumens eingeschränkt sein. Beschriebene Leiden der fortgeschrittenen Arthrose sind ausserdem die verminderte Kraft, Bewegungseinschränkung, Druckschmerz, Belastungs- und Ruheschmerz, Krepitation (Reibegeräusche) bei Bewegung sowie im Endstadium eine sichtbare Deformierung des Daumens, häufig mit Subluxation. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es oft zu einer kompensatorischen Überstreckung im Daumengrundgelenk.
Diagnose
Abgesehen von der häufig typischen Anamnese und klinischen Untersuchung mit schmerzhaftem Gelenkreiben des Daumengrundgelenkes wird ein Röntgenbild, welches auf das schmerzhafte Daumengelenk zentriert ist in zwei Ebenen erstellt und zeigt im Fall einer Arthrose die typischen Veränderungen wie Gelenkspaltverschmälerung, Osteophyten und Subluxation. Die Schweregradeinteilung erfolgt häufig nach radiologischen Kriterien (z. B. nach Eaton und Littler, Dell).
Differentialdiagnosen
Sehnenscheidenentzündung der Daumenstrecker (Tendovaginitis de Quervain), rheumatoide Arthritis, Bandverletzungen oder Instabilitäten des Daumensattelgelenkes, Arthrose in den angrenzenden Gelenken (z.B. STT-Arthrose), Einklemmung des Radialnerven (Wartenberg Syndrom), Springfinger, Sehnenscheidenentzündung des daumenseitigen Handgelenkbeugers (FCR-Tendinitis), Tendinitis an der Überkreuzungsstelle der Strecksehnen (Intersektionssyndrom).
Therapie
In frühen Stadien steht die konservative Behandlung im Vordergrund. Ziel ist die Schmerzreduktion sowie der Erhalt der Funktion. Die Schmerzspitzen können mit einer eher kurzzeitigen Schienenversorgung mittels Daumenorthesen und nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zur Schmerz- und Entzündungshemmung behandelt werden. Hilfsmittel können durch die Ergotherapie angepasst werden, um spezielle Fähigkeiten zu vereinfachen oder wieder zu erlangen (Flasche öffnen, Messer und Schere benutzen). Sollte dies nicht ausreichend wirksam sein ist die ultraschall- oder röntgengesteuerte Kortison Injektion eine gute Option zur mittelfristigen Schmerzlinderung. Bei diesen Massnahmen handelt es sich um eine rein symptomatische Therapie, welche die Degeneration des Gelenkes nicht aufhalten kann. Die Ernährung hat einen gewissen Einfluss auf entzündliche Prozesse im menschlichen Körper und kann durch eine Ernährungsumstellung ebenfalls einen positiven Einfluss auf Gelenkschmerzen haben.
Bei fortgeschrittener Arthrose und unzureichender Wirkung konservativer Maßnahmen wird die Operation diskutiert. Gängige Verfahren sind die Trapezektomie (Resektionsarthroplastik); dabei wird das großen Vieleckbein entfernt, um das Reiben der beiden degenerativen Knorpelflächen aufeinander zu verhindern. Dieses Verfahren wird teilweise durch die Aufhängung der Basis des ersten Mittelhandknochens mittels einer Sehne und der Interposition ergänzt. Die Arthrodese wird selten bei eher jüngeren Patienten mit hoher Belastung diskutiert. Eher selten ist eine Umstellungsosteotomie indiziert, um kranke Knorpelanteile zu entlasten und eher gute Knorpelanteile des Gelenkes stärker zu belasten. Für diese Therapie muss noch ein eher grosser Bereich des Knorpelüberzuges erhalten sein. Heutzutage wird vermehrt die endoprothetische Versorgung durch einen Gelenkersatz ähnlich dem Hüftgelenk in Miniatur (Touch-Prothese) durchgeführt, oder das Einlegen eines Platzhalters (Pyrocardanscheibe) diskutiert. Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach Alter, Aktivitätsniveau und individuellen Anforderungen sowie den persönlichen Prioritäten des Patienten.
Nachbehandlung
Die postoperative Nachbehandlung ist entscheidend für den Therapieerfolg. Die Ergotherapie wird direkt mit der Operation organisiert, um die postoperative Behandlung zu gewährleisten. Die Ruhigstellung erfolgt initial mittels Schiene oder Schutzhandschuh je nach Operationsmethode für einige Wochen. Die Ruhigstellung ist eher strikt bei der Resektionsarthroplastik (6 Wochen) und der Pyrocardanversorgung (3 Wochen) und etwas lockerer bei der Versorgung mittels Touch-Prothese. Je nach Operationsverfahren beginnt anschliessend die frühfunktionelle Therapie unter Anleitung der Ergotherapie. Der Belastungsaufbau zur schrittweisen Steigerung der Belastung erfolgt nach ca. 2-3 Monaten. Die vollständige Rehabilitation benötigt oft mehrere Monate.
Prognose
Die Prognose der Rhizarthrose ist abhängig vom Krankheitsstadium und der gewählten Therapie.
Konservative Maßnahmen können die Beschwerden deutlich lindern, führen jedoch nicht zur Heilung. Operative Verfahren hingegen bieten in vielen Fällen eine langfristige Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung. Dennoch kann es zu Einschränkungen der Kraft oder Beweglichkeit kommen. Eine komplette Schmerzausschaltung kann nicht garantiert werden, eine signifikante Schmerzreduktion ist die Regel.
Insgesamt ist die Rhizarthrose eine chronische, jedoch gut behandelbare Erkrankung. Eine korrekte Diagnose sowie eine individuell angepasste Therapie sind entscheidend für die Lebensqualität der Betroffenen. Generell ist die Rekonvaleszenz der Patienten, welche mit Touch-Prothese versorgt werden schneller als bei Patienten mit der Resektionsarthroplastik oder der Pyrocardan-Prothese. Die Touch-Prothese zeigt eine Tendenz für eine bessere Kraft und Beweglichkeit im Vergleich zur Resektionsarthroplastik. Die Langzeitresultate der Touchprothese nach 20 oder 30 Jahren sind allerdings nicht bekannt und eine seriöse Angabe zur Revisionswahrscheinlichkeit in diesem Zeitraum ist aus heutiger Sicht nicht möglich.
