Definition:

Die Arthrose der Fingergelenke ist eine chronisch-degenerative Erkrankung der kleinen Gelenke der Hand, bei der es zu einem fortschreitenden Abbau des Gelenkknorpels kommt. Dieser Knorpel dient normalerweise als Gleitfläche zwischen den Knochen und ermöglicht eine schmerzfreie und harmonische durch die Bänder geführte freie Bewegung. Im Verlauf der Erkrankung wird der Knorpel zunehmend dünner oder verschwindet vollständig, wodurch Knochen auf Knochen reiben. Dies führt zu Schmerzen, Entzündungen, Bewegungseinschränkungen und typischen knöchernen Veränderungen.
Man unterscheidet vor allem die Arthrose der Endgelenke (Heberden-Arthrose), der Mittelgelenke (Bouchard-Arthrose) sowie die Arthrose der Fingergrundgelenke. Die Arthrose kann einzelne oder mehrere Gelenke gleichzeitig betreffen.

Überblick:

Die Fingergelenksarthrose gehört zu den häufigsten Formen der Arthrose und tritt besonders häufig bei Frauen nach den Wechseljahren auf. Neben hormonellen Einflüssen spielen genetische Faktoren, mechanische Belastung und altersbedingte Veränderungen oder auch eine stattgehabte Verletzung eine wichtige Rolle.
Die Erkrankung entwickelt sich meist langsam über Jahre hinweg. Anfangs stehen funktionelle Beschwerden im Vordergrund, später auch strukturell sichtbare Veränderungen. Häufig sind mehrere Gelenke gleichzeitig betroffen.
Risikofaktoren sind das Alter, weibliches Geschlecht, genetische Faktoren, möglicherweise berufliche oder repetitive Belastung der Hände sowie frühere Verletzungen.

Symptome:

Die Symptome der Fingergelenksarthrose entwickeln sich schleichend und können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Manchmal kommen Sie schubartig und können wetterabhängig sein.
Typische Beschwerden sind der mechanische Belastungsschmerzen, im späteren Stadium auch der Ruheschmerz, die Gelenksteifigkeit – besonders morgens oder nach längerer Ruhe, die Schwellung sowie eine eventuelle Knötchenbildung um die betroffenen Gelenke, der Kraftverlust und im fortgeschrittenen Stadium die Deformation.

Diagnose:

Risikofaktoren auch rheumatologischer Erkrankungen sollten zumindest anamnestisch abgeklärt werden. Die oben beschriebenen Symptome werden anamnestisch und in der klinischen Untersuchung gesucht und zeigen typischerweise ein schmerzhaftes Bewegungsdefizit des betroffenen Gelenkes. Ein Röntgenbild in zwei Ebenen, welches auf das schmerzhafte Gelenk bzw. die Hand zentriert zeigt im Fall einer Arthrose die typischen Veränderungen wie Gelenkspaltverschmälerung, Sklerosierungen und Osteophyten.
Differentialdiagnosen:
Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Gicht, Infektiöse Arthritis, Sehnenscheidenentzündung, Fremdkörper.

Therapie:

Die Behandlung der Fingergelenksarthrose zielt darauf ab Schmerzen zu lindern, die Funktion zu erhalten und wenn möglich das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen.
Zu Beginn der Arthrose steht die konservative Therapie im Vordergrund. Gibt es eine zugrundeliegende Grunderkrankung aus dem rheumatologischen Formenkreis kann diese ev. nicht nur symptomatisch, sondern kausal behandelt werden. Zu der klassischen konservativen symptomatischen Therapie gehören Schmerzmittel wie Paracetamol oder entzündungshemmende Medikamente, hand- oder ergotherapeutische Massnahmen wie Wärmeanwendungen (z. B. Paraffinbäder) und Bewegungsübungen, sowie ergotherapeutische Hilfsmittel um Alltagsaktivitäten zu erleichtern. Die Ernährung hat einen gewissen Einfluss auf entzündliche Prozesse im menschlichen Körper und kann durch eine Ernährungsumstellung ebenfalls einen positiven Einfluss auf Gelenkschmerzen haben.
Je nach Ausprägung ist möglicherweise die Kortisoninjektion bei entzündlichen Schüben besonders bei rheumatologischen Grunderkrankungen indiziert.
Die Operation ist angezeigt, wenn konservative und eher einfache Massnahmen nicht ausreichend helfen und die Lebensqualität durch die symptomatische Arthrose eingeschränkt ist. Der Operationszeitpunkt wird daher durch den Patienten festgelegt. Für die Finger- und Handfunktion die Beweglichkeit der Mittel- und Grundgelenke wesentlich wichtiger ist als die Beweglichkeit der Endgelenke, weswegen andere Therapiekonzepte zum Einsatz kommen.
Die Arthrodese (Gelenkversteifung) ist die Standarttherapie der Endgelenke. Selten ist diese Versorgung bei sehr stark deformierten Mittelgelenken nötig. Die Endoprothese (Gelenkersatz) entweder mittels Silikonplatzhalter oder durch eine echte Prothese, welche in den Knochen einwachsen muss (z.B. CapFlex Prothese) kommt bei den Langfingermittelgelenken und der Silikonplatzhalter bei den Grundgelenken zum Einsatz. Die möglichst schmerzarme und möglichst freie Gelenkbeweglichkeit ist das Ziel.
Nachbehandlung:
Die Nachbehandlung ist ein zentraler Bestandteil des Therapieerfolgs. Die frühfunktionelle Mobilisation begleitet von Lagerungsschienen, welche durch die Ergotherapie begleitet wird, ist der Standard nach stattgehabter prothetischer Versorgung. Der Kraftaufbau erfolgt je nach Implantat oft nach 2-3 Monaten. Die Arthrodese (Gelenkversteifung) wird für ca. 6 Wochen ruhiggestellt, um die knöcherne Durchbauung der Knochenkontaktflächen zu ermöglichen. Das post-operative Schmerzmanagement sowie eine mögliche nötige Anpassung von Alltagsaktivitäten sind weitere Pfeiler der Therapie.
Die qualitativ hochwertige Nachbehandlung ist ein entscheidender Faktor für das Endresultat.

Prognose:

Die Fingergelenksarthrose ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist, jedoch in ihrem Verlauf günstig beeinflusst werden kann. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich.
Viele Patienten können mit geeigneter Therapie über lange Zeit eine gute Lebensqualität erhalten. In manchen Fällen kommt es zu einer Stabilisierung der Beschwerden. Mit zunehmender Einsteifung gehen die Bewegungsschmerzen manchmal zurück. Operative Maßnahmen können insbesondere bei fortgeschrittenen Stadien eine deutliche Verbesserung der Funktion und Schmerzreduktion bewirken.
In ca. 80% der Fälle sind die Patienten mit der operativen Versorgung zufrieden oder sehr zufrieden.
Die Silkonprothese oder Platzhalter hat oft gute Ergebnisse, was die schmerzarme Beweglichkeit betrifft. Die CapFlex Prothese zeichnet sich durch eine etwas bessere Stabilität aus. Generell wird die Operationsindikation nicht zur Verbesserung der Beweglichkeit, sondern zur Behandlung der Schmerzen gestellt. Der Bewegungsradius eines prothetisch versorgten Fingergelenkes ist im Mittel ca. 50-60°.